Betriebliche Altersvorsorge zu selten in Anspruch genommen

Geschrieben von am 7. Februar 2012

Die betriebliche Altersvorsorge ist eine sehr gute Idee von Vater Staat, dennoch wird sie von den wenigsten Mitarbeitern angenommen. Regen sich deutsche Politiker, nicht ganz zu Unrecht, darüber auf, dass die Deutschen ein Volk sind, das jegliche Vergünstigungen, die es gibt, mitnimmt, so tun sie es gerade im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge nicht.

Zwar ist die Anzahl der Sparer in einen solchen Vertrag gestiegen, doch bleibt sie schon seit den 1990er Jahren auf einem konstanten Level. Dabei hat die Regierung 2002 noch einmal Hand angelegt. Seither haben Arbeitnehmer Anspruch auf eine Gehaltsumwandlung. Bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze, das sind zurzeit 2.640 Euro, können vom Bruttolohn direkt in die betriebliche Altersvorsorge eingezahlt werden. Dafür fallen dann auch keine Steuern und keine Sozialversicherungsabgaben an. Oft genug gewährt der Chef sogar noch einen Zuschuss, denn durch die geringeren Nettolöhne spart er ebenfalls kräftig, nämlich bei den Sozialabgaben.

Warum kommt die betriebliche Altersvorsorge nicht richtig an?

Ebenfalls ist den meisten Beschäftigten klar, dass sie zusätzlich fürs Alter vorsorgen müssen. Produkte dafür gibt es ausreichend auf dem Markt, neben der betrieblichen Altersvorsorge stehen Rürup und Riester Rente zur Wahl. Trotzdem den meisten bewusst ist, dass die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird, verzichten sie auf die betriebliche Altersvorsorge.

Die Gründe wurden in einer Befragung der Gothaer Versicherung näher beleuchtet. Dabei stellte sich heraus, dass gerade einmal jeder Dritte der Befragten seinen Anspruch auf Entgeltumwandlung überhaupt kannte. Viele andere waren überzeugt, bereits genügend Geld fürs Alter zurückzulegen, was schlicht nicht stimmt. Und wieder andere waren einfach überfordert, sie verstehen die komplexen Sachverhalte und Strukturen der Betriebsrenten nicht. Selbst Finanzexperten bestätigen, dass die aufklärenden Broschüren so kompliziert gestaltet sind, dass sie mehr Verwirrung als Aufklärung schaffen.

Ein weiteres Problem, das mehr als die Hälfte der Befragten angab, besteht darin, dass das Geld nicht ausreiche, um groß zu sparen. Das ergab eine Umfrage des Deutschen Instituts für Altersvorsorge. Insbesondere die Finanzkrise brachte viele dazu, sich die Frage zu stellen, ob langfristiges Sparen überhaupt noch lohnt. Nicht zuletzt sind genauso bei der betrieblichen Altersvorsorge die Renditen nur sehr gering.

Abschläge beim Wechsel des Arbeitsplatzes

Als größtes Problem gelten auch die Abschläge, wenn der Arbeitsplatz gewechselt wird. Das bisher angesparte Kapital kann zwar mitgenommen werden, doch gerade in den ersten fünf Jahren fressen horrende Kosten die Sparbeiträge nahezu auf. Die Arbeitnehmer machen Verluste, entweder indem sie den Vertrag kündigen oder ihn aus eigener Tasche, nicht mehr gefördert, weiter zahlen. Die Übertragung an die Versicherer des neuen Arbeitgebers sorgt dafür, dass in den ersten fünf Jahren wieder erhebliche Kosten entstehen. Hier können nur Ausgleichszahlungen der Versicherer untereinander oder ein Verbot von Provisionen helfen, sind sich Experten einig.

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